Früh am Morgen trägt Barbara Hohenegger einen Korb ins Hotel Lichtenstern auf dem Ritten. Darin liegt, was ihr Gemüsegarten in Unterinn an diesem Tag hergibt. Das können Zucchini und Tomaten sein, Feldsalat, Lauch oder Sellerie, dazwischen schwarze Johannisbeeren und Himbeeren. Wie voll der Korb ist, hängt nach ihren Worten von Wetter, Mond und Saison ab.
Solche Geschichten erzählen mehrere unserer Partnerhotels, und doch sind sie verschieden. Manche Häuser bewirtschaften einen eigenen Hof, andere einen Garten. Wieder andere nennen die Bäckerei, die Metzgerei und die Höfe, bei denen sie einkaufen. Am Kalterer See kommen Wein und Bier aus eigener Herstellung.
Vom eigenen Hof in die Hotelküche
Ein paar Minuten vom Naturhotel Leitlhof in Innichen entfernt liegt der Mühlhof, der hoteleigene Bauernhof, den die Gastgeberfamilie selbst bewirtschaftet. Dort leben Angus-Rinder, deren Fleisch ausschließlich im Leitlhof serviert wird. Im großen Garten und auf den Feldern des Hofs wachsen außerdem Saisongemüse, Kräuter, Kartoffeln und Beeren, die in der Hotelküche verarbeitet werden. Küchenchef Markus Auer und sein Team kochen mit Rhabarber, Salat und Zucchini aus dem Hotelgarten oder vom Mühlhof und geben den Gerichten mit selbst angepflanzten Kräutern den letzten Schliff. Das Haus beschreibt seine Küche als regionale Rezepte mit mediterranem Einfluss.
In Dorf Tirol bei Meran ist die Hofgeschichte zugleich eine Familiengeschichte. Markus, der Bruder von Gastgeberin Lisa im Hotel Lisetta, wollte schon als Kind Landwirt werden. 2001 ersteigerte er den Meringerhof in Rabland, heute führt er ihn mit seiner Frau Sieglinde und Sohn Lukas. Zum Hof gehören Obst- und Gemüseanlagen, Schweine, Kälber und Hühner. Vom Meringerhof kommen Eier, Speck, Käse, Salami, Honig, Säfte und hausgemachte Marmeladen ins Hotel. Sie finden sie am Frühstücksbuffet und im Menü.
Beim Frühstück lohnt ein genauer Blick. Die Eier stammen von den Hühnern des Hofs, der Aufschnitt teils vom Meringerhof und teils von einem einheimischen Metzger, Obst und Gemüse je nach Saison zum Teil vom Hof. Auch der Honig hat zwei Herkünfte: den Meringerhof und zehn Bienenvölker in einem abgelegenen Teil des Hotelgartens. Im Hochsommer ziehen diese Bienen zur Sommerfrische auf den Hof. Für die Küche von Küchenchef Andreas wachsen Gemüse und Kräuter außerdem im Gemüsegarten von Lisas Mutter Brigitte. Frische, saisonale Zutaten holt die Küche am liebsten direkt vom Meringerhof oder vom heimischen Bauernmarkt.
Wer etwas davon mit nach Hause nehmen möchte, findet den Bauernladen des Meringerhofs an der Landstraße Richtung Reschenpass, kurz vor Rabland. Je nach Saison gibt es dort unter anderem Eier, Marmeladen, Säfte, Honig, Speck und Bauernsalami.
Gemüse und Kräuter aus dem Garten
Zurück auf den Ritten. Barbara Hohenegger hat das Hotel Lichtenstern in Oberbozen 2017 von ihren Eltern übernommen. Neben ihrem Gemüsegarten in Unterinn pflegt sie den Kräutergarten am Hotel, mit Basilikum, Rosmarin, Salbei, Thymian, Minze und Melisse, mit Lorbeer, Kapuzinerkresse und Liebstöckel, dem Maggikraut. Im Restaurant begegnen Ihnen Garten und Umgebung zum Beispiel in Rosenblüten-Teigtaschen mit Mascarponefüllung oder Basilikum-Teigtaschen mit Pilzfüllung. Die Zutaten dafür kommen laut Hotel aus dem eigenen Garten und von Bauern aus der Umgebung. Küchenchef Gerald Stampfl ist selbst in Unterinn aufgewachsen.
Auch das Aqua Bad Cortina in St. Vigil in Enneberg hat einen eigenen Gemüsegarten. Für den Sommer nennt das Haus Salat und Würzkräuter aus diesem Garten.
Lieferanten mit Namen und Herkunft
Ebenfalls auf dem Ritten, direkt am Wolfsgrubener See, geht der Weihrerhof einen anderen Weg. Er nennt seine Lieferbetriebe beim Namen. Das Brot kommt von der Bäckerei Niederstätter, Rittner Rindfleisch von der Metzgerei Weissensteiner, Lamm vom Weidnerhof, Hühner vom Öbersthof, Gemüse und Salate vom Eggerhof, Käse vom Wolfhof und Fisch von Rio Plaocesa. Die Kräuter wachsen im eigenen Garten. Zum Frühstück am See kommen hausgemachte Marmelade und Honig vom Plattner Bienenhof dazu, der rund fünf Kilometer entfernt liegt.
In Schenna bei Meran stehen im Hotel Hilburger zum Frühstück Marmeladen aus dem Martelltal auf dem Buffet, daneben Südtiroler Speck und Käse. Die Milchprodukte bezieht das Haus von Südtiroler Sennereien.
Einen Sonderfall bildet das Hotel MASL in Vals, denn dort führt die Spur hinauf auf die Fane Alm. In seiner eigenen Hütte im Almhüttendorf serviert das Haus im Sommer eine Jause mit Almkäse, Speck, Kaminwurz und Schüttelbrot. Für den Almkäse verweist das Hotel auf die Sennerinnen der Fane Alm.
Wein und Bier aus eigener Produktion
Am Kalterer See wandert das Thema ins Glas. Zum SEELEITEN Lake Spa Hotel der Familie Moser gehört das Weingut Moser. In dessen Keller wurde eine eigene Brauerei eingerichtet, in der das Mendelbier entsteht. So stehen zur Küche des Hauses Weine aus eigener Produktion und selbst gebrautes Bier auf dem Tisch.
Herkunft beim Essen erkennen
Fragen Sie beim Frühstück ruhig nach, was an diesem Tag vom Hof oder aus dem Garten kommt. Gerade bei Gärten wie in Unterinn ändert sich das mit Wetter und Jahreszeit. Einen allgemeinen Überblick über Wein, Speck, Käse und typische Gerichte gibt unser Beitrag Kulinarik Südtirol.
