
Wenn die Weinberge golden leuchten, der Rauch aus den Pfannen steigt und Kastanienduft durch die Täler zieht, beginnt in Südtirol die Zeit, auf die alle warten – Törggelen. Erst wandern, dann einkehren, den neuen Wein probieren und in guter Gesellschaft die Herbstküche feiern. Es ist eine Tradition, die nach wie vor in bäuerlichen Stuben lebt und heute genauso herzlich ist wie früher.
Was Törggelen bedeutet – Ursprung und gelebte Tradition
Der Name geht auf die Torggl zurück, die alte Weinpresse. Winzer verkosteten den jungen Jahrgang, reichten einfache Gerichte und luden Nachbarn ein. Besonders im Eisacktal hat sich daraus eine eigene Herbstkultur entwickelt. Wer heute törggelt, folgt demselben Rhythmus: durch Kastanienhaine und Reben spazieren, am Nachmittag in einen Buschenschank einkehren, wo Hausgemachtes auf den Tisch kommt – ohne Schnörkel, mit viel Geschmack.
Buschenschank in Südtirol – Qualität aus Hofhand
Ein Buschenschank bewirtet mit dem, was Hof und Keller hergeben. Brot aus eigener Backstube, Speck und Käse von Tieren, die man kennt, Most oder Wein aus dem eigenen Fass, süße Krapfen zum Abschluss. Und natürlich Kastanien, frisch geröstet, warm in der Hand, mit dem feinen Knacken der aufplatzenden Schale. Diese Nähe zum Ursprung macht den Reiz aus – ehrlich, saisonal, regional.
Kulinarik beim Törggelen – vom ersten Löffel bis zum Nuier
Die Menüfolge hat ihren vertrauten Rhythmus. Den Auftakt bilden eine kräftige Gerstsuppe oder ein Speckbrettl. Es folgen Knödel und Surfleisch, manchmal auch Hauswürste und Kraut. Am Ende stehen Krapfen und Kastanien – süß, nussig, duftend. Getrunken wird Nuier oder Suser, der neue Wein beziehungsweise der süße Traubenmost. Er schmeckt mild, hat es aber in sich, deshalb gilt: langsam genießen und Wasser dazu.
Touren, die dazu passen – der Keschtnweg als goldene Linie
Zum perfekten Törggele-Tag gehört Bewegung. Der Keschtnweg verbindet Kloster Neustift bei Brixen mit Terlan, rund 90 Kilometer durch Edelkastanienhaine, Lärchen und Weinberge. Viele wählen kurze Teilstücke mit zwei bis vier Stunden Gehzeit – familienfreundlich, mit wenig Höhenmetern und zahlreichen Einstiegen im Tal. Wer Kultur mag, kombiniert Dorfspaziergänge, Promenaden oder Waalwege und verlegt die Einkehr in den späten Nachmittag.
Herbsthöhepunkte zwischen Feldthurns, Klausen und Ritten
Wenn sich die Hänge färben, wird der Herbst zum Schaufenster. Rund um Feldthurns locken Kastanienwochen und das Keschtnigl, ein Fest mit Brauchtum, Musik und regionaler Küche. Die beste Fotozeit liegt meist zwischen Mitte Oktober und Anfang November, wenn Laub und Reben in Gold und Kupfer leuchten und die Luft klar ist.
Sanft unterwegs – Törggelen ohne Auto
Wer nachhaltig reisen möchte, hat es leicht. Mit der Mobilcard gelangst du per Bus und Bahn zu den Einstiegen am Keschtnweg und am Abend entspannt wieder zurück. So bleibt der Tag frei von Parkplatzsuche, und beim Glas Nuier musst du nicht ans Autofahren denken. Viele Buschenschänke liegen fußnah zu Haltestellen – Genuss ohne Umwege.
Nach der Wanderung wohlfühlen – ein leiser Spa-Moment
Der Herbst lässt sich auch im Spa fortsetzen. Eine Massage mit Kastanienöl, ein Peeling mit Traube und Nuss oder ein warmes Bad mit Traubenkernextrakt bringen müde Beine zurück in Schwung. Die Düfte sind dezent, die Anwendungen naturverbunden – ein ruhiger Abschluss für einen langen Tag im Freien.
FAQ – Törggelen in Südtirol
Wann ist Törggelen die beste Zeit?
Von Ende September bis Ende November, mit Höhepunkten rund um Allerheiligen und Martini.
Brauche ich eine Reservierung im Buschenschank?
Ja, besonders am Wochenende. Die Stuben sind klein und schnell ausgebucht.
Welche Tour eignet sich für Familien?
Kurze Keschtnweg-Abschnitte mit wenig Höhenmetern und Rückfahrt per Bus sind ideal.
Was gehört beim Törggelen immer dazu?
Herbstwanderung, hofeigene Küche im Buschenschank, Nuier oder Suser und frisch geröstete Kastanien.
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